Europa-Haus Marienberg

Entwicklungszusammenarbeit aus unserer Sicht

Schülerzeitungsseminar für Schüler im Alter von 12 bis 15 Jahren


Tagesabläufe hier und in der 3. Welt
Ein Vergleich von Sophie Sehner
Uhrzeit
Ein Kind (13) in der 3. Welt Ein Kind (13) in Deutschland
 7:00Kanti beginnt mit ihrer Arbeit - Bälle nähen.
Ich drehe mich von der linken auf die rechte Seite und schlafe weiter.
 8:00Kantis Augen brennen wegen des schlechten Lichts.
Meine kleine Schwester nervt an der Tür, ich werfe ein Kissen und ratze weiter.  
 9:00Der Faden geht zu Ende, Kanti muss um Erlaubnis fragen, ob sie ihren Arbeitsplatz verlassen darf, um eine neue Spule zu holen. Ich quäle mich in die Küche um etwas zu essen.
 10:00Von dem Nähen tun ihr die Finger weh.
Anna hat angerufen, ich soll zu ihr rüber kommen.
 11:00Hunger! Die Tasse Tee heute morgen hält nicht lange vor. Die Scheiß-Klamotten sind schon wieder zu klein, ich muss mal wieder shoppen gehen.
 12:00Noch eine Stunde bis zum Mittag. Kanti hat einen Hustenanfall wegen der schlechten Belüftung des Raumes. Wir fahren nach Hachenburg zum Einkaufen.
 13:00Endlich 1/2 Stunde Mittagspause. Eine Hand voll Reis - das macht satt. Der Bus ist langsam und fährt über jedes kleine Dorf, bin ich froh, wenn ich ein Auto habe.
 13:30Der Chef schimpft, weil Kanti noch nicht an der Arbeit sitzt. Anna und ich gehen zum Italiener und lassen uns eine Pizza schmecken.
 14:00Kanti ist zu langsam. Sie hat erst 7 Bälle fertig und ihr Soll liegt bei 20! In der neuen Boutique an der Ecke haben sie coole neue Sachen. Ich lasse einen Fünfziger für ein T-Shirt da.
 15:00Tarun neben Kanti kann vor Angst nicht weiter arbeiten, Kanti übernimmt einen Teil seiner Arbeit, damit er seinen Platz nicht verliert. Anna hatte die Idee, dass wir noch ins Schwimmbad fahren und Tom und Julian haben uns zu einer spontanen Party eingeladen.
 16:00Kanti brennen die Augen und der Rücken schmerzt ihr. Sie hat Hunger. Meine Schwester will die neue CD von Justin Bieber, also mache ich noch einen Abstecher beim nächsten CD-Shop.
 17:0015 Bälle geschafft, es läuft jetzt ganz gut. Das Schwimmbad ist viel zu voll. 
 18:00Der Chef will sparen. Kanti muss also bei Dämmerlicht weiter arbeiten.Am Schwimmbadkiosk ist das Angebot zu klein. Auf dem Rückweg werden wir noch einen Döner essen müssen.
 19:00Der Gedanke an die 25 Rupien im Monat (ca. 70 Cent) lässt Kanti weiternähenMeine Aftersunlotion ist schon wieder alle. Wir machen uns auf den Weg zum Kosmetiker.
 20:00Nur noch 2 Stunden zu arbeiten. Die Augen fallen Kanti fast zu, die Finger sind wund und die Luft ist stickig, aber endlich wirft eine Kerze etwas Licht auf ihren Arbeitsplatz. Gehen wir erst ins Kino oder ins Fitness-Studio?
 21:00Die Hitze macht Kanti noch fertig. Sie will nach Hause. Die Party ist der Hammer. Martin habe ich schon ewig nicht mehr gesehen und ich chille mit ihm auf der Couch. Tom guckt schon komisch, wahrscheinlich ist er eifersüchtig.
 22:00Endlich Feierabend, gut, dass Kanti ihre Schlafstelle in der Ecke hat und nicht mehr weit laufen muss. Nach einer Tasse Tee ist sie müde!Ich rufe zu Hause an um Mama zu sagen, dass ich bei Anna übernachte. Dann macht sie sich keine Sorgen, denn die Nacht wird noch lang.