Europa-Haus Marienberg

Entwicklungszusammenarbeit aus unserer Sicht

Schülerzeitungsseminar für Schüler im Alter von 12 bis 15 Jahren


Die Angst vorm weißen Mann
Buchvorstellung von Jan Sturm


In diesem Buch schildert der Autor Siegfried Pater vor allem Vorurteile zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen anhand von diversen Dialogen, die er auf Reisen durch die Welt mit den Einheimischen geführt hat.

Zu diesen Vorurteilen, die ja auch oft Vermutungen entspringen, gibt es aber noch ganz klare Stellungnahmen in Bezug auf Kultur, Umwelt, Politik, Entwicklungshilfe und den Einsatz des Militärs, an denen der Autor Kritik übt. Meist stimmen diese Aussagen wohl auch, womit aber nicht gesagt ist, dass man sich selbst mit diesen Überzeugungen identifizieren kann.

Ein wichtiges Thema in den Entwicklungsländern ist natürlich der Hunger und mit ihm auch der Mangel an Wasser. Wir Mitteleuropäer bezeichnen den Urwald meist als eine große Apotheke, aus der die Menschen Arzneien herstellen können, mit denen am besten lokale Krankheiten behandelt werden.
Um das Thema Hunger noch einmal aufzugreifen, so fragen wir uns: Wie können Menschen in Ländern hungern, aus denen wir einen großen Teil unserer Nahrungsmittel beziehen und in denen es kilometerlange Plantagen und Anbaugebiete gibt? Aber diese Plantagen werden meist in unserem Auftrag angelegt und bewirtschaftet.

Um zum Beispiel Soja anzubauen, den Rindfleischbedarf der Fastfood Kette McDonalds zu decken oder aber der Möbelindustrie immer mehr begehrte Tropenhölzer zu liefern, werden immer größere Flächen des Regenwaldes unwiederbringlich abgeholzt.

Der enorme Wasserbedarf der Deutschen steht in keinem Vergleich zu den Bruchteilen an Wasser, die den Menschen in Entwicklungsländern zugestanden werden. So sehen Menschen, die am Tag nur wenige Liter an Wasser zur Verfügung haben, über das Internet und das Fernsehen, wie wir Deutschen unser Wasser im Klo runter spülen.

Wenn wir einmal von diesen alltäglichen Problemen Abstand nehmen und ich hebe an dieser Stelle das Wort Abstand hervor, da man auch das Wort absehen verwenden könnte, es aber den Sinn der Aussage verändern würde, welche uns der Autor in diesem Buch vermitteln will, nämlich die, dass man diese Themen zwar mit Abstand betrachten darf, sie aber nicht ignorieren sollte, so könnten wir an dieser Stelle einmal zum Thema Kultur in Deutschland kommen.

Die Kultur der Deutschen spiegelt sich ja leider nicht nur in unserer Vergangenheit wider, in der wir würdige Repräsentanten wie Bach, Goethe, Schiller und Luther besaßen und zu welcher Zeit man uns als das Volk der Dichter und Denker ansah, nein, viele sind auch stolz auf unser vielfältiges Fernsehangebot, das sich von Komasaufen in Malle bis hin zu Big Brother erstreckt. An dieser Stelle sollte jeder einmal sich der Abstufung bewusst werden, die wir durchlaufen, und sich bewusst werden, wie wir Deutschen uns in Zeiten des World Wide Web der Welt präsentieren.



Noch nie besaß eine Kultur so viel Wissen, aber so wenig Weisheit. Wir sind immer noch stolz auf Deutschland, was natürlich lobenswert ist, aber sich irgendwann, wenn wir zu lange auf der Stelle treten, relativieren wird, bis wir irgendwann ein nichts unter vielen sind und uns unsere Arroganz einholen wird. Wie oft ignorieren wir beunruhigende Nachrichten und überspielen sie mit Lappalien, denn das beste Mittel gegen Angst ist Ignoranz.

Auch unsere Einstellung zur Religion wird in diesem Buch kritisiert, so werden wir zum Beispiel als Freizeitchristen bezeichnet und es verstärkt sich die Behauptung, dass sämtliche Parteien mit C in ihrem Kürzel sich nicht christlich, sondern kapitalistisch verhalten, und dennoch legen wir Wert darauf, dass die Kirche das größte Gebäude im Ort ist und dass auf keinen Fall eine andere Religion ein ähnlich prächtiges Gebäude beansprucht. Im Endeffekt steht die Kirche - mal abgesehen von gelegentlichen Gottesdiensten - leer.

Wir haben uns in eine Konsumgesellschaft verwandelt, die eine falsche Ansicht von Demokratie hat, in der man mit virtueller Arbeit an der Börse beispielsweise weit mehr verdienen kann als mit ehrlicher Arbeit auf dem Bau. Dies geht aber auch nur, wenn wir genug andere und vor allem günstigere Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutieren.

Weitere Gründe, welche nach Einschätzung der Entwicklungsländer ein schlechtes Licht auf uns werfen, sind:

Umweltverschmutzung

Politik (in deren Augen hat sie schon lange keine Struktur mehr)

Wahlverweigerer (Wir verfügen über eine Demokratie und treten sie mit Füßen)

Auftreten in der Öffentlichkeit

Unser Finanzwesen( Minimum - Maximum - Prinzip)


Bildung: Natürlich wird auch Kritik an unserem Schulwesen geübt. So ist eine der Unstimmigkeiten, dass wir immer wieder von der Förderung der Bildungswege reden, es aber immer noch viel zu große Klassen gibt und der Mangel an Lehrpersonen zu Unterrichtsausfall führt. Wenn wir unsere Schullaufbahn einmal beendet haben, so werden wir zwar über umfassende Kenntnisse in den Bereichen Technik und Wirtschaft verfügen, aber nicht wie Menschen in der 3.Welt auf Selbständigkeit und Arbeit getrimmt sein.

Wir versinken in Vorurteilen und Gerüchten, welche unseren Horizont so weit beinträchtigen, dass wir zu geistigen Stubenhockern mutieren, und die mangelnde Kommunikation ist nicht gerade hilfreich dabei.

In gewissem Maße sagen Menschen in der 3.Welt, dass sich die Epoche der Kolonialzeit nur wenig verändert hat. Noch immer haben wir unsere Soldaten dort stationiert auf sogenannten Friedensmissionen, nur wurde ein Friede noch nie mit der richtigen Anzahl an Patronen gewonnen, denn im Krieg gibt es keine Gewinner, sonder nur eine Partei, die weniger Schaden genommen hat. Meistens sind unsere Soldaten jedoch dafür im Einsatz, damit sie „unsere“ Ressourcen sichern, zudem beeinflussen die Industrienationen auch die Machtverhältnisse in Afrika zu ihren Gunsten. Viele Probleme rühren aber auch noch aus der Kolonialzeit her, denn zu dieser Zeit griffen wir massiv in ihre Entwicklung der Völker ein.

Selbst an ihrer Staatsverschuldung haben wir einen beachtlichen Anteil Schuld, denn indem wir die Rüstungsspirale in die Höhe treiben, spornen wir sie zum Mitziehen an, was ihre Finanzstruktur zum Kollabieren bringt.

Zunehmend bringen sie Entwicklungshilfe mit Militär in Verbindung, wobei unser derzeitiger Entwicklungsminister eine große Mitschuld trägt. Auf Grund der Tatsache, dass das Entwicklungshilfeministerium dem Wirtschaftsministerium untersteht, werden die Projekte sehr stark durch die Finanzen und den Markt beeinflusst.

Entwicklungshilfe sollte sein:


liberal

christlich

sozial

ökologisch.


Aber keine dieser Kriterien treffen in den meisten Fällen zu. Sogenannte Lockkredite, die unsere Banken den ärmeren Ländern anbieten, tragen nur weiter zur Staatsverschuldung bei.

Siegfried Pater ist ein Autor der all dies erlebt hat und aus Erfahrung schreibt, es sind alles Themen die uns betreffen und zum Nachdenken anregen. Diejenigen unter euch die sich genauer mit diesem Thema auseinander setzten wollen können dieses Werk natürlich auch käuflich erwerben.


Siegfried Pater:
Die Angst vorm weißen Mann

• Broschiert: 79 Seiten
• Verlag: Retap-Verlag; Auflage: 1., Auflage (1. Oktober 2010)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3931988252
• ISBN-13: 978-3931988258
• Preis: 9,90€