Europa-Haus Marienberg

Entwicklungszusammenarbeit aus unserer Sicht

Schülerzeitungsseminar für Schüler im Alter von 12 bis 15 Jahren


Siegfried Pater - Ein Kämpfer für Gerechtigkeit
Interview mit Siegfried Pater
von Leon, Cihat und Jan


Im Rahmen eines Schülerzeitungsseminars hatten wir die Möglichkeit, einen interessanten Menschen kennen zu lernen, den wir euch hier gerne vorstellen möchten.

Der heute in Bonn lebende Autor und freie Journalist Siegfried Pater wurde 1945 in Thum im Erzgebirge geboren. Nach der Volksschule erlernte er den Beruf des Vermessungstechnikers, was er nach einem Aufenthalt als Entwicklungshelfer in Brasilien durch ein Volkswirtschaftsstudium vertiefte, um das Verhältnis von Arm und Reich besser verstehen zu können.
Das Interesse am Schreiben entdeckte er, als Günter Grass eine Gruppe von Entwicklungshelfern, der Pater angehörte, anfragte, ob sie interessiert seien, ein Buch über Armut zu schreiben. Neun weitere Entwicklungshelfer schlossen sich Pater an, teilten ihre Informationen Pater mit, die er dann in einem Werk mit dem Titel "Unterentwicklung - Wem nützt die Armut" veröffentlichte.

Sprachen:
Auf seinen Exkursionen ins Ausland lernte Pater fließend Englisch und Portugiesisch und er beherrscht einfache chinesische und indische Redewendungen, außerdem besitzt er Kenntnisse in einigen osteuropäischen Sprachen.


Stationen und Projekte
 


Mosambik:
1980 Durch eine Schulpartnerschaft zwischen einer mosambikanischen und einer deutschen Schule wurde er auf das Problem der Kindersoldaten aufmerksam. Um das Thema zu vertiefen, reiste er nach Angola und erkannte die Rivalitäten und die Machtkämpfe der verschiedenen Länder um den Rohstoff Diamanten, mit denen sie ihre Kriegsmaschinerie finanzierten. Nach längerer Recherche bewies er, dass das funktionierte, indem er selbst Diamanten schmuggelte, was ihm dank der korrupten Behörden recht leicht fiel. Darüber hat er das Buch mit dem Titel "Blutige Diamanten" verfasst, das unter dem gleichen Titel mit bekannten US-Schauspielern verfilmt wurde.

Bangladesh:
Pater wurde von einer Umweltorganisation auf arsenverseuchtes Wasser in Brunnen aufmerksam gemacht, woraufhin er durch Untersuchungen feststellte, dass dort extrem arsenhaltiges Gestein aufgrund von natürlichen Vorkommen vorhanden ist. Mithilfe eines Kinderbuches informierte er die Öffentlichkeit bei uns über dieses Problem und ein Ingenieur fand eine effektive und gleichzeitig preiswerte Lösung durch ein ausgeklügeltes, einfaches Filtersystem. Mit 130 bis 150 Euro kann man nun für arsenfreies Trinkwasser sorgen.

Nepal:
Hier wurde er in eine Leprastation eingeladen. Trotz einiger Berührungsängste fügte Pater sich in das Leben auf der Station ein. Um den Menschen dort ein besseres Leben zu ermöglichen, schrieb er ein Buch, welches den Titel "Sonan" trägt, was gleichzeitig der Name eines in der Station lebenden Hundes ist, der im Buch der Erzähler ist. In kindlicher Sprache trägt das Buch dazu bei, Kindern die Angst vor Lepra zu nehmen und Verständnis für die Krankheit zu wecken.

China:
In Zusammenarbeit mit einer Umweltorganisation pflanzte er in China Bäume, um das Ausbreiten der Wüste zu vermindern und verdeutlichte damit den Bewohnern, dass sie für ihre Zukunft Verantwortung übernehmen müssen.




McDonalds:
Nach seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Brasilien, wo er auch seine Frau kennen lernte, besuchte er dieses Land 20 weitere Male, auch im Zusammenhang mit den Skandalen um die Fast-Food-Kette McDonalds. Ein Aussteiger aus dem Management, der durch die Machenschaften der Großkette von Gewissensbissen geplagt wurde und der seinem Unmut Luft verschaffen wollte, wendete sich an Siegfried Pater, um auf das umweltschädliche Verhalten von McDonalds aufmerksam zu machen. Nachdem er sich in das Thema eingearbeitet hatte, führte er ein Interview mit dem weltweiten Geschäftsführer der Großkette, der ihm versicherte, dass das Rindfleisch zu 100 % aus Amerika stammt und das die Burger zu 100% aus Rindfleisch bestehen. Die letzte Aussage machte Pater stutzig, da er nichts in dieser Richtung gefragt hatte. Dieser Spur ging er nach und stieß im Archiv der Washington Post auf einen zwei Jahre zurück liegenden Skandal, bei dem McDonalds als Adressat von Kängurufleisch entlarvt wurde. Dieser Fährte folgte er bis nach Costa Rica, wo er erneut beweisen konnte, dass McDonalds Kängurufleisch verarbeitet. 2009 veröffentlichte er sein Buch "Kinderfänger McDonalds", in dem er unter anderem auf diese Missstände hinweist.


Organhandel:
Bei seinen häufigen Brasilienbesuchen stieß er unter anderem auf eine Organisation, die mit Organen handelt. Dieses für ihn pikante Thema, worüber er auch ein aufklärendes Buch schrieb, hatte Einfluss auf sein weiteres Leben. Nachdem er das Buch verfasst hatte und das Problem publik wurde, überfiel man ihn bei weiteren Brasilienbesuchen und bedrohte ihn mit einer Spritze, in der sich das Blut eines Aids-Kranken befand.

Seine Motivation:
Sein Streben nach Wissen liegt begründet in der Ungerechtigkeit, die er schon aus seinen Kindheitstagen kennt und die er versucht, aus der Welt zu schaffen. Und wie könnte er besser als mit seinen Enthüllungsreporten das Wissen vermitteln, welches notwendig ist, um sich eine Meinung zu bilden.

Inspiration:
Inspiriert, sein Wissen zu teilen, wurde er dadurch, dass bei Krisen oder anderen Skandalen von einflussreichen Personen oft die Wahrheit vertuscht wird.

Kulturen:
Auf seinen Reisen durch die vielen Länder waren die für ihn markantesten Kulturen die der Chinesen, welche Tiere quälen und unter meist unzumutbaren Umständen halten. Die Kulturen in Indien und in Nepal verehren Kühe, wie wir unsere Heiligen verehren. Peruaner hingegen züchten Meerschweinchen, um sie dann zu verspeisen, was uns Deutschen vermutlich äußerst grausam erscheinen mag, aber im Grunde nichts Anderes ist, als wenn wir Kühe und andere Nutztiere mästen, um sie anschließend zu schlachten. Außerdem fielen ihm die Gewohnheiten der Brasilianer besonders auf, da es nicht wie hier üblich ist, Schonzeiten für Tiere einzuhalten und sie alles jagen, was ihnen vor die Flinte kommt.

Vorurteile:
Wie fast jeder Mitteleuropäer hegte auch Siegfried Pater seine Vorurteile gegenüber Entwicklungsländern. Die gravierendsten für ihn waren solche, die sich allerdings nicht bewahrheiteten, z.B. dass in Brasilien viele exotische Tierarten einem ständig über die Füße laufen. Zudem war in seiner Phantasie der Baustil dort sehr exotisch. Im Bezug auf die Bevölkerung ging er der Annahme nach, dass Menschen im Lendenschurz und mit Speeren bewaffnet die Umgebung unsicher machen. Zudem stellte er sich dieses Land als "grüne Hölle" mit einem wilden Terrain vor. In Bangladesh befürchtete er außerdem, nicht mit Frauen kommunizieren zu dürfen, was sich jedoch ebenfalls als unbegründet herausstellte.


Höhen und Tiefen:
Höhepunkte: Zu seinen schönsten Erfahrungen zählt er die Ergebnisse seines Buches "Sonan", die den dort lebenden Menschen, die an Lepra erkrankt sind, eine Gesundheitsfürsorge ermöglichen.
Tiefpunkte: Die schlimmste Erfahrung, die Herr Pater gemacht hat, steht im Zusammenhang mit der Recherche über den Organhandel, da er Opfer von Drohungen und tätlichen Übergriffen dieser illegalen, kriminellen Organisationen geworden ist, die ihn selbst bis nach Deutschland verfolgt und tyrannisiert haben. Ein Ende dieser misslichen Situation war erst in Sicht, als Amnesty International sich einschaltete.